Was ist der Deckungsbeitrag 3 im E-Commerce?
DB3 in der klassischen Deckungsbeitragsrechnung
Formel: DB3 pro Bestellung berechnen
Break-even: Wann sind die Fixkosten gedeckt?
Formel, Rechenbeispiel und Grenz-DB3 für Online-Shops
Aktualisiert am 07.11.2026


Das Wichtigste in Kürze
Der Deckungsbeitrag 3 (DB3) zeigt, was eine Bestellung nach allen variablen Kosten übrig lässt: nach Retouren, Wareneinsatz, Versand, Zahlungsgebühren und Marketing. Er ist die ehrlichere Kennzahl für E-Commerce-Unternehmen als Umsatz oder ROAS, weil hoher Umsatz bei jeder einzelnen Bestellung Geld verlieren kann. Dieser Ratgeber richtet sich an Online-Händler und erklärt Formel, Berechnung mit Beispiel, Grenz-DB3 und den Unterschied zur klassischen Deckungsbeitragsrechnung.
Auf einen Blick
Der Deckungsbeitrag 3 ist der Betrag, der von einer Bestellung übrig bleibt, nachdem alle variablen Kosten abgezogen sind. Im E-Commerce zählen dazu Retouren, Wareneinsatz, Fulfillment und Marketing. Was danach bleibt, trägt zur Deckung der Fixkosten bei und ergibt am Ende den Gewinn.
Für uns ist der DB3 die zentrale Kennzahl in der Steuerung. Wir optimieren Kampagnen und Sortiment auf Deckungsbeitrag, nicht auf Umsatz oder ROAS. Der Grund ist simpel: Umsatz lügt. Ein Online-Händler kann wachsen und bei jeder einzelnen Bestellung Geld verlieren, wenn variable Kosten und Kundengewinnung die Marge auffressen.
Der Begriff stammt aus der Kostenrechnung. Dort beschreibt die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung, wie ein Unternehmen seine Fixkosten Stufe für Stufe von den Umsatzerlösen abzieht. Im Unterschied zur Vollkostenrechnung verteilt sie fixe Kosten nicht pauschal auf jedes Produkt, sondern ordnet sie dort zu, wo sie entstehen.
| Stufe | Berechnung in der klassischen Kostenrechnung |
|---|---|
| DB1 | Umsatzerlöse minus variable Kosten |
| DB2 | DB1 minus produktfixe Kosten |
| DB3 (DB III) | DB2 minus produktgruppenfixe Kosten |
| DB4 | DB3 minus bereichsfixe Kosten |
| DB5 | DB4 minus unternehmensfixe Kosten, entspricht dem Betriebserfolg |
Ein positiver DB3 zeigt dort, dass eine Produktgruppe ihre zurechenbaren Kosten deckt. Ein negativer DB3 ist ein Hinweis, die Produktgruppe umzubauen oder aus dem Sortiment zu nehmen. Die mehrstufige Rechnung ist präziser als die einstufige, braucht aber mehr Daten aus der Buchhaltung.
Im E-Commerce hat sich ein praktischerer Schnitt durchgesetzt: DB1 nach Wareneinsatz, DB2 nach Fulfillment und Retouren, DB3 nach Marketing. Die Logik ist dieselbe. Kosten werden in der Reihenfolge abgezogen, in der du sie beeinflussen kannst. Nur die Stufen heißen anders, deshalb lohnt es sich, im Team einmal festzulegen, was bei euch in welcher Stufe steht.
DB3 = Umsatz − Retouren − Wareneinsatz − Fulfillment − Marketing
Rechne die Formel pro Bestellung, nicht nur für den ganzen Monat. Nur so erkennst du, welche Bestellungen, Artikel und Produktgruppen Geld bringen und welche nicht. Die einzelnen Posten:
Die Werte sind angenommen und gerundet, damit die Logik sichtbar wird. Retournierte Ware gilt hier als wieder verkaufbar.
| Posten | Annahme | Betrag |
|---|---|---|
| Umsatz netto | nach Rabatt | 100,00 € |
| Retouren | 20 % Wertquote | −20,00 € |
| Wareneinsatz | 40 % der behaltenen Ware | −32,00 € |
| DB1 | 48,00 € | |
| Pick, Pack, Versand | inkl. anteiligem Rückversand | −7,00 € |
| Zahlungsgebühren | 2,5 % vom Umsatz | −2,50 € |
| DB2 | 38,50 € | |
| Marketing | ROAS 5 auf Nettoumsatz | −20,00 € |
| DB3 | 18,50 € |
Der DB3 dieser Bestellung liegt bei 18,50 €. Das entspricht einer DB3-Quote von 18,5 Prozent vom Umsatz. Aus derselben Rechnung ergibt sich der Break-even-ROAS: 100 € Umsatz geteilt durch 38,50 € DB2 ergibt rund 2,6. Liegt der ROAS einer Bestellung darunter, kostet sie mehr, als sie bringt.
Der Deckungsbeitrag ist nicht der Gewinn. Erst wenn die Summe aller Deckungsbeiträge die fixen Kosten übersteigt, verdient das Unternehmen Geld. Die Break-even-Analyse rechnet aus, ab welcher Menge das der Fall ist.
Break-even-Point = Fixkosten ÷ DB3 pro Bestellung
Hat ein Shop 37.000 € Fixkosten im Monat für Team, Miete, Software und Lager, braucht er bei 18,50 € DB3 pro Bestellung 2.000 Bestellungen, um die Fixkosten zu decken. Jede weitere Bestellung bringt Gewinn. Der Gesamtdeckungsbeitrag ist also DB3 pro Bestellung mal Menge. In der klassischen Kostenrechnung heißt dieselbe Rechnung Stückdeckungsbeitrag pro Stück mal Absatzmenge.
Der Grenz-DB3 ist der DB3 der zusätzlich eingekauften Bestellung. Er beantwortet die Frage, ob sich der nächste Euro Werbebudget noch lohnt.
Im Beispiel liegt der Konto-ROAS bei 5. Erhöhst du das Budget, holen die Plattformen die zusätzlichen Bestellungen meist teurer ein. Kostet die nächste Bestellung 40 € Marketing, also ROAS 2,5, liegt ihr DB3 bei −1,50 €. Der Gesamt-ROAS sieht danach immer noch gut aus. Die zusätzlichen Bestellungen verlieren trotzdem Geld.
Deshalb ist der Grenz-DB3 unsere Linie für Budgetentscheidungen. Spend unterhalb davon ist Substanzverlust, auch wenn er Umsatz bringt.
Weil die Kundengewinnung unterschiedlich viel kostet. Diese Frage nennen wir die Neukunden-Wahrheit: Verdient dein Shop am Erstkauf oder erst am Wiederkauf?
Bleiben wir beim Beispiel. Kostet ein Neukunde 45 € Marketing, liegt der DB3 der Erstbestellung bei −6,50 €. Ein Bestandskunde, den du per Newsletter für 5 € zurückholst, bringt 33,50 €. Im Durchschnitt über alle Bestellungen siehst du keins von beidem. Durchschnittswerte führen hier in die Irre.
Ein negativer DB3 beim Erstkauf ist nicht automatisch falsch. Er ist eine Investition, die sich nur lohnt, wenn genug Kunden wiederkaufen. Ob das passiert, zeigt dir eine Kohortenanalyse der Wiederkaufrate. Ohne diese Zahl weißt du nicht, wie viel Kundengewinnung du dir leisten kannst.
ROAS misst Umsatz pro Werbe-Euro. Retouren, Wareneinsatz und Versand kennt er nicht. Zwei Kampagnen mit gleichem ROAS können deshalb völlig unterschiedliche Deckungsbeiträge haben, etwa wenn die eine margenschwache Artikel mit hoher Retourenquote verkauft.
Wir drehen die Logik um. Erst steht der DB3, daraus leiten wir den Ziel-ROAS ab. Empfehlungen der Plattformen wie mehr Budget bei niedrigerem Ziel-ROAS optimieren den Umsatz auf der Plattform, nicht deine Gewinn- und Verlustrechnung. Sie können trotzdem richtig sein. Prüfen musst du sie am Grenz-DB3.
Jede Stufe hat ihre eigenen Hebel. In unseren Projekten bringen diese am häufigsten etwas:
Jede Stufe zieht weitere Kosten ab. Im E-Commerce ist DB1 der Umsatz nach Wareneinsatz und Retouren, DB2 der Betrag nach Fulfillment und Zahlungsgebühren, DB3 der Betrag nach Marketing. In der klassischen Kostenrechnung zieht der DB3 dagegen produktgruppenfixe Kosten ab.
Nein. Der Deckungsbeitrag ist der Beitrag zur Deckung der Fixkosten. Gewinn entsteht erst, wenn der Gesamtdeckungsbeitrag größer ist als die Fixkosten.
DB3 geteilt durch Nettoumsatz mal 100. Im Beispiel sind das 18,50 € von 100 €, also 18,5 Prozent. Diese Deckungsbeitragsquote macht Produkte und Kanäle mit unterschiedlichen Preisen vergleichbar.
Das hängt von deinen Fixkosten ab. Der DB3 aller Bestellungen muss die Fixkosten decken, sonst entsteht kein Gewinn. Ein fester Prozentwert über alle Shops hinweg sagt wenig. Eine hohe Quote bei kleinem Volumen kann schlechter sein als eine mittlere Quote bei großem Volumen.
Ja. Retournierter Umsatz zählt nicht, und Rückversand sowie Aufbereitung sind variable Kosten. Gerade in Mode oder bei Schuhen entscheidet die Retourenquote oft darüber, ob eine Bestellung Geld verdient.
In der klassischen mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung zieht der DB4 die bereichsfixen Kosten vom DB3 ab. Im E-Commerce wird er selten genutzt.
Mindestens monatlich und nach jeder größeren Änderung an Preisen, Versandkosten oder Budget. Für die Kampagnensteuerung lohnt sich eine laufende Berechnung auf Bestellebene.
Umsatz sagt dir, wie groß dein Shop ist. Der Deckungsbeitrag 3 sagt dir, ob er Geld verdient. Wer ihn pro Bestellung kennt und nach Neu- und Bestandskunden trennt, trifft andere Entscheidungen zu Budget, Sortiment und Preis als ein Team, das nur auf ROAS schaut.
Dein nächster Schritt: Nimm die Bestellungen des letzten Monats und rechne den DB3 für Neu- und Bestandskunden getrennt, mit der echten Retourenquote. Wenn du das mit uns machen willst, schau dir unsere Strategieberatung an.


